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Begleitung, aber keine Unterforderung

Förderung, aber keine Überforderung

Bildungsbegriff

 

Ein Kindergarten ist keine Schule.

 

Eine Krippe ist kein Kindergarten.

 

Auch wenn in diesem Konzept von „Förderung“ und „Bildung“ die Rede ist, grenzt sich unser Bildungsverständnis für Kleinstkinder von jenem für ältere Kinder und Erwachsene – also von der schulischen und gesellschaftlichen Bildung ab.

 

Im Gehirn des Kleinstkindes entsteht ganz autonom und ohne Zutun von außen eine gedankliche und neuronale Matrix. Sie wird aus zahlreichen, multisensorischen Erfahrungen gespeist und wird mit jedem Hören, Tasten, Fühlen und Erkennen komplexer.

 

Je höher der Grad der Organisiertheit und der Plastizität dieser Matrix, um so leichter kann das Kind später Fähigkeiten, Fertigkeiten und Informationen daran anknüpfen (= klassisches Bildungsverständnis).

 

Bildung bei Kleinstkindern meint das Schaffen von günstigen Bedingungen für den Entstehungsprozess dieser Matrix, meint die liebevolle Begleitung dieser inneren Entwicklung.

 

Damit also zunächst die Hardware für diesen Geist wachsen kann, besteht die größte Verantwortung der Krippe darin, eine vertrauensstiftende Atmosphäre zu schaffen. Vor kognitiver Förderung steht die Bemühung, dass sich die Kinder wohlfühlen und hierzu braucht es Sicherheit, Ruhe und Vertrautheit.

 

Erst wenn die Kinder älter werden, tritt die klassische Bildung in den Vordergrund. Die Erwartung nach Geborgenheit (sofern erfüllt) verschiebt sich in Richtung zu einer Erwartung nach Möglichkeiten der Exploration.

 

Mit zunehmender Bewusstheit über die Phänomene „Ich“, „Du“ und „Wir“ beginnen die Kinder sich mehr und mehr mit der Gestaltung sozialer Kontakte zu beschäftigen und ihre Rolle, Ihre Persönlichkeit in der Gruppe zu entwickeln. Vor allem kommunikative Fähigkeiten, aber auch alle weiteren im Orientierungsplan vorgestellten Entwicklungsfelder gewinnen immer mehr an Bedeutung.

 

 

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Bedeutung des Bildungsbegriffs für die Altersstruktur in Kindertageseinrichtungen – U3, Ü3, Altersmischung

 

 

Da sich wie erläutert die den Bildungsprozessen innewohnende Natur selbst im Laufe der Entwicklung eines Menschen verändert, lohnt sich ein differenzierter Blick auf die den einzelnen Altersstufen zugehörige Didaktik.

 

Die gemeinsame Betreuung von Kindern zwischen 0 und 6 Jahren bedeutet, viele Kompromisse schließen zu müssen, aber der Kontakt der einzelnen Altersstufen zueinander ist in seiner pädagogischen Bedeutung überaus wertvoll und in seiner Qualität durch nichts anderes zu ersetzen.

 

Was also gilt es für Kindertageseinrichtungen zu bedenken?

 

Zunächst spricht sicherlich eine Reihe von Argumenten für eine Trennung der Altersstufen:

Schon die bekannte Aufschrift auf Spielzeugen „Nicht geeignet für Kinder unter 3 Jahren“ zieht eine deutliche Linie zwischen den Altersgruppen der Unter- und der Überdreijährigen.

 

Bei der Gestaltung der Räume und des Gartens, aber vor allem auch an das Betreuungspersonal stellen Kinder mit 5 Jahren völlig andere Anforderungen, als solche rund um den ersten Geburtstag.

 

Für den Betrieb einer altersgemischten Einrichtung bedeutet dies einen Spagat in Auswahl und Zugänglichkeit zu den Materialien. Eine reine U3-Einrichtung, bzw. eine reine Ü3-Einrichtung kann sich hierbei, sowie bei Möbeln, Spielgeräten und generell bei der Ausrichtung des Konzepts voll auf ihre Zielgruppe konzentrieren.

 

Unterschiedliche Herangehensweisen sind außerdem gefordert bei:

 

  • Fortbildungsthemen für MitarbeiterInnen, Spezialisierung auf einzelne Entwicklungsphasen

     

  • Nahrungsangebot / Speiseplan

     

  • der Tagesrhythmus mit jeweils verschiedenen Wach-Phasen und Abständen zwischen den Mahlzeiten.

     

  • Betreuungsschlüssel

     

Allerdings gibt es auch gute Gründe für eine gemeinsame Betreuung:

 

Denn auch in jeder Altersstufe für sich (0 bis 3 Jahre / 3 bis 6 Jahre) kann es bei den jeweils Kleinsten zu Über- und bei den Größeren zu Unterforderung kommen - in der Konsequenz der bisherigen Argumente müssten also noch feinere Abgrenzungen vorgenommen werden (Krabbelgruppe, 1-2-Jährige, etc). Das soziale Miteinander aber wird durch altersheterogene Gemeinschaft deutlich bereichert: Die Größeren erwerben soziale Kompetenz und Achtsamkeit, die Kleineren wachsen an den Kompetenzen der Größeren. Sie haben stets äußerst wirkungsvolle, weil entwicklungsnahe Vorbilder und vielfältigste Anregungen durch den Kontakt zu älteren Kindern.

 

Auch die im Leitbild erwähnte Kontinuumstheorie geht davon aus, dass in einer der Natur des Menschen entsprechenden Gruppe / Familie alle Altersstufen vertreten sind.

 

Und nicht zuletzt sprechen auch rein praktische Gründe, wie die Möglichkeit, unterschiedlich alte Geschwisterkinder in der selben Einrichtung betreuen zu lassen und z.B. nur einen Anfahrtsweg zu haben, für eine altersgemischte Einrichtung.

 

Eine ideale Betreuungsform muss daher all die erwähnten Argumente in seine Konzeption und die räumlichen, temporalen und personellen Strukturen einbeziehen und die sich an vielen Stellen scheinbar widersprechenden Positionen miteinander in Einklang bringen.

 

 

Die Betreuungs- & Bildungseinrichtungen „Pfauenauge“ und „Kleiner Fuchs“ finden hier einen außergewöhnlich passenden Weg:

 

Durch die Aufteilung der Betreuung von U3 und Ü3 in zwei Häuser in direkter Nachbarschaft wird das Zusammenführen von großen und kleinen Kindern mit all seinen Vorteilen möglich. Gleichzeitig kann den Anforderungen, welche die einzelnen Altersstufen stellen, mit jeweils speziellem räumlichen und pädagogischen Konzept sowie jeweils passender Tagesstruktur optimal entsprochen werden.

 

Darüber hinaus kann durch die enge Kooperation der beiden Betreuungsformen der Übergang von der Krippe in den Kindergarten optimal gestaltet und von Bezugspersonen begleitet werden.



 


In sogenannten Kompetenzgruppen werden Kinder mit ähnlichen Kompetenzen / Interessen regelmäßig eingeladen, gemeinsam Zeit zu verbringen, die sich in der Einrichtung nicht automatisch begegnen. Bei diesen Angeboten können gezielt jeweils passende Spiele durchgeführt und jeweils für einen bestimmten Entwicklungsstand typische Aktivitäten durchgeführt werden.

 

 

 

Neben dieser Unterscheidung der Anforderungen von U3 und Ü3, existieren auch in der Betreuung von Säuglingen relevante Besonderheiten.

 

Da Kleinstkinder erst nach und nach eine zeitlich verzögerte Erwartungserfüllung akzeptieren, hat die Beantwortung ihrer Forderungen erste Priorität.

 

In Liedloffs Sinne werden sie die meiste Zeit über mit Hilfe eines Tragetuchs o.ä. am Körper getragen, was viele Vorteile mit sich bringt:

 

  • Die Erwartungen des Säuglings dabei zu sein, Teil eines Ganzen zu sein, nach Gemeinschaft, Geborgenheit und Sicherheit werden alle gleichzeitig erfüllt.

     

  • Der Säugling erlebt die alltäglichen Verrichtungen hautnah mit und macht vielerlei Erfahrungen, welche er in all ihrer Fülle aufnimmt – die Matrix reift.

     

  • Durch die Anforderungen, die das Tragen an die Muskulatur des Säuglings stellt, wird deren Entwicklung natürlich stimuliert.

    Ebenso wird der Gleichgewichtssinn und dessen neuronale Verschaltung mit den entsprechenden steuernden Muskelgruppen stimuliert.

     

  • Durch die Anhock-Spreiz-Stellung werden die großen Beingelenke optimal für ihre gesunde Reifung „gelagert“.

     

  • Wissenschaftlichen Studien zufolge verringert sich das Auftreten von Verstopfungen und Koliken bei getragenen Kindern. Dies liegt auch daran, dass durch das Tragen die Darmperistaltik sanft stimuliert wird und der Energiehaushalt des Kindes mit dem des Trägers verbunden ist.

     

  • Die Kinder sind ruhiger und ausgeglichener.

     

  • Wenn ein Kind genug getragen wurde, signalisiert es normalerweise, dass es herunter möchte. Und erst dann ist es auch wirklich bereit, die Welt auf eigene Faust zu erobern.

     

Auf Grund dieser besonderen Anforderungen kann pro Gruppe höchstens ein Säugling aufgenommen werden.

 

Wenn ein Kind sitzen und seinen Körper eigenständig in aufrechter Position halten kann, blickt es in die selbe räumliche Ebene wie die anderen Kinder. Ab diesem Zeitpunkt beginnt die Phase der Ablösung vom Träger. Es entwickelt Interesse an den Aktivitäten der Kinder und beginnt, ihnen nachzueifern.

 

Um eine sichere Bindung des Kindes an die Mutter / den Vater zu ermöglichen, muss es genügend Zeit mit ihnen verbringen. Daher ist unsere Betreuungszeit bis zur Vollendung des 7. Lebensmonats auf 6 Stunden pro Tag und bis zur Vollendung des 12. Lebensmonats auf 8 Stunden pro Tag begrenzt.


 

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