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... "Kommt wir hören auf, uns weh zu tun.

Hier und jetzt und nun."

Umsetzung des Leitbilds in der Ebenen "Betreuungsperson und Kind"

 

 

Was bedeutet das konkret?

 

 

Jean Liedloff (US-amerikanische Autorin und Psychotherapeutin, * 26. November 1926 – † 15. März 2011) spricht von einem je einer Spezies entsprechenden „Kontinuum". Zum Kontinuum des Menschen gehören demnach ganz konkrete Lebensbedingungen und Verhaltensweisen, die durch die Evolution über Jahrzehntausende mit ihm verbunden wurden. Den Erwartungen eines Babys, (z.B. nach Luft, Nahrung und Nähe) muss durch sein Umfeld entsprochen werden, damit ein Gefühl der Richtigkeit entstehen kann – an diesem Ort, in dieser Zeit, in dieser Gemeinschaft „richtig“ zu sein.

 

Dieses Gefühl ist im Grunde jeder gesunden Psyche vertraut und seine Vermittlung von Anfang an wiederum ist von entscheidender Bedeutung für die Herausbildung dieser gesunden Psyche.

 

Den Säugling, das Baby zu lieben und ihm die innerliche Haltung entgegenzubringen, dass es so wie es ist, richtig und perfekt ist, führt dazu, dass spätere mögliche Interventionen nicht als gegen den Menschen an sich, sondern als Aufforderungen zur Verhaltenskorrektur verstanden werden. Auf die Sicherheit gegründet, „richtig zu sein“, entsteht Selbstvertrauen.

 

 

Aus einer solchen, das Kind selbst als "richtig" akzeptierenden Haltung heraus kann ihm konsequent begegnet werden, wenn es sich später "falsch" verhält. Ja, erst aus diesem Prinzip der Akzeptanz heraus, dass ein neuer Mensch mit all seinen Äußerungen zunächst einmal vollkommen Recht hat, kann späteres kindliches Fehlverhalten von diesem auch als solches eingesehen werden.

 

 

Ein älter werdendes Kind ernst zu nehmen, bedeutet auch, manches Weinen als Strategie und willentlichen Ausdruck eines nicht einlösbaren Begehrens zu erkennen. Diese Art der Erwartung durch Stattgeben zu trösten, wäre nur eine punktuelle Lösung und bei nächster Gelegenheit würde sich das Verhalten als weiter verfestigtes Verhaltensmuster wiederholen.

 

Vielmehr muss dem als richtig akzeptierten Kind in diesem Fall haltgebend nahe gebracht werden, dass es selbst von seinem Standpunkt abweichen muss.

 

Die Kenntnis dieser Umgangsformen des Respekts und der Akzeptanz und die darauf gegründete Ausrichtung von Autorität sind tief im Kontinuum des Menschen verwurzelt, wurden Generation für Generation weitergegeben, und sorgten für Sicherheit im Umgang mit Kindern. In diesem Konzept sind sie die Grundlage für jeden Kontakt.

 

Bis heute wurden leider viele andere Umgangsformen – etwa der Unsicherheit und der Inakzeptanz etabliert. Es entstand eine große Ungewissheit, wann nun das Kind von seinem Standpunkt abweichen muss und wann der Erwachsene daneben liegt...

 

 

 

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Begriffserklärung „Erwartungen“

Aus elementarer Wertschätzung der Richtigkeit heraus und in Anlehnung an die „arteigenen Erwartungen“ im Kontinuumskonzept von Jean Liedloff sprechen wir auch in dieser Konzeption eher von "Erwartungen" als von "Bedürfnissen", wobei es nicht etwa umso etwas wie überzogene, ausgedachte Erwartungen eines Erwachsenen geht zB. dass das Kind gute Noten schreibt – vielmehr erwartet der Säugling selbstverständlich, dass er schlafen kann, wenn er müde ist. Er erwartet, dass er jederzeit atmen kann, dass ihm geantwortet wird, wenn er vor Hunger schreit und dass er dann Milch bekommt und seinen Hunger stillen kann. Er spürt tief in sich sehr genau, was zu seinem Kontinuum gehört und während seine Erwartung erfüllt und der Säugling gestillt wird, erinnert er die uralte Gewissheit, in dieser Umgebung richtig zu sein.

 

Auch erwartet das Kind, dass es Sicherheit bekommt, wenn es diese wünscht. Ein Kleinkind erwartet auch, dass es getragen wird und teilhaben darf. Es erwartet Menschen, Interaktion und Anerkennung. Es erwartet, dass alles so ist, wie es natürlicherweise sein soll.

 

Die Verwendung dieses Begriffs der „Erwartung“ hebt die Position des Kindes - anders als die Verwendung des Begriffes „Bedürfnis“ - in eine gleichberechtigte Rolle.

 

 

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Vom ersten Tage seines Lebens an teilt sich der Mensch dementsprechend mit. Er selbst (der Mensch), seine Zeichen und seine autodidaktischen Ansätze müssen ganzheitlich erkannt, beantwortet und in Erfahrungssituationen überführt werden. Die Kinder verraten dabei sehr detailliert, welche Entwicklungsideen anstehen. Wer aufmerksam auf diese Zeichen achtet, erkennt, wenn sich das Kind z.B. aus dem Kinderwagen heraus für etwas interessiert, ermöglicht ihm die Betrachtung des Gegenstands / der Situation und geht auch sprachlich darauf ein.

 

Diese Achtsamkeit, tiefer Respekt dem Kind gegenüber, die Akzeptanz seiner Richtigkeit und das Erkennen, in welchen Situationen Standhaftigkeit und das Anhalten zum Einlenken erforderlich ist und wann man selbst nachgeben sollte, sind die Kernaufgaben bei der Übersetzung des Leitbildes in die Ebene zwischen Betreuungsperson und Kind.

 

 

 

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