06.05.2011 00:00

„Motivation ist Gefühl, nicht Vernunft“

Unternehmerforum der Kreissparkasse zum Thema Innovationskultur in Betrieben mit Handballbundestrainer Heiner Brand

Wie können Innovationen in Betrieben gefördert werden, und wie kommen Firmen an innovative Mitarbeiter, diese Fragen standen beim Unternehmerforum der Kreissparkasse am Mittwochabend im Mittelpunkt. Gastreferent war Handballbundestrainer Heiner Brand. Außerdem wurden die lokalen Gründerpreisträger der Kreissparkasse ausgezeichnet.


VON HENRIK SAUER

ESSLINGEN. Zur Hauptaufgabe eines Trainers, der sein Team zur Höchstleistung motivieren will, gehöre es, „hervorragenden Einzelkönnern zu vermitteln, dass sie ihre Stärken für die Mannschaft einsetzen“, sagte Heiner Brand vor den rund 300 geladenen Gästen im Schauspielhaus der Württembergischen Landesbühne Esslingen. Man dürfe die Spieler aber zugleich in ihrem Aktionsradius nicht zu sehr einschränken.

Ein gutes soziales Klima trage zum Erfolg ebenso bei wie die Orientierung an der Aufgabe, so der zweimalige Handballweltmeister, der einmal als Spieler und einmal als Trainer die Trophäe gewann. Ein Vertrauensverhältnis sei entscheidend, „weil nur die Informationen zählen, die bei den Spielern auch ankommen“. Geld als Motivationshilfe hält Brand hingegen für weniger bedeutend: „Der emotionale Gewinn wird von Top-Sportlern höher bewertet als die Siegprämie.“

Worauf legen Unternehmen bei der Personalauswahl wert, wollte Moderatorin Britta Schweinhage von den Teilnehmern der anschließenden Podiumsdiskussion wissen. Dabei wurde deutlich, dass neben der fachlichen Fähigkeit vor allem soziale Kompetenz immer wichtiger wird. „Eine positive Ausstrahlung ist mir wichtig, und dass der Mitarbeiter in unser Team passt“, sagte zum Beispiel Peter Staib von Staib Friseure in Reichenbach. Er ging sogar so weit zu sagen: „Fehlende soziale Kompetenz kann man nicht durch gute Leistung ausgleichen.“ Auch Klaus-Peter Friedrich, Personalleiter bei der Kreissparkasse, betonte, dass man auf Persönlichkeit und soziale Kompetenz größten Wert lege.

Martin Peters, Geschäftsführender Gesellschafter von Eberspächer in Esslingen, sagte, Unternehmen müssten sich neue Karrierewege für ihre Mitarbeiter überlegen: „Der beste Entwickler ist nicht unbedingt auch die beste Führungskraft.“ Deswegen müsse man andere Aufstiegsmöglichkeiten bieten, ohne die Fachkompetenz des Einzelnen zu verlieren: „Wir brauchen eine Kultur, in der Chef sein nicht alles ist.“

Unternehmen müssten auch deshalb umdenken, weil der Wunsch nach Selbstverwirklichung auch im Beruf zunehmend eine Rolle spiele, sagte Cyrus Achouri, Professor für Human Resource Management an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen: „Das Wertesystem verändert sich, dem müssen Firmen gerecht werden.“ Denn vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung könnten sich die Besten aussuchen, wo sie arbeiten.

Während man bei der Kreissparkasse die Internet-Community Facebook entdeckt habe, um Studenten als Nachwuchs zu gewinnen, wie Klaus-Peter Friedrich berichtete, setzt man bei Eberspächer auf Nachhaltigkeit und auf Solidität. „Nachhaltigkeit schafft Vertrauen“, so Martin Peters. Dem pflichtete Professor Achouri bei: „Die Bewerber schauen sich an, wie die langfristige Personalentwicklung ist oder ob es Weiterbildungsmöglichkeiten gibt.“ In sozialen Medien Mitarbeiter zu rekrutieren halte er für einen kurzfristigen Weg.

Anerkennung, Lob und Wertschätzung seien ein vielfach höherer Motivationsfaktor als Geld, hat Friseurmeister Peter Staib festgestellt. Martin Peters von Eberspächer sagte, Bonusmodelle nach dem Motto „werfe ich was rein, läufst du schneller“, zeugten für ihn von einem „miserablen Menschenbild“: „Das erzeugt Misstrauen.“ Erfolgsbeteiligungen hingegen seien freilich wichtig. Professor Achouri sagte, der Trend beim Führungsstil gehe in die Richtung, darauf einzugehen, was der Mitarbeiter erwartet: „Motivation ist Gefühl, nicht Vernunft.“

Gründerpreis geht an Plattform für Online- Shops

Im Rahmen der Veranstaltung für Unternehmenskunden der Kreissparkasse zeichnete die Bank auch die lokalen Preisträger des Gründerpreises der Sparkassenorganisation aus. Der mit 2000 Euro dotierte Erste Preis ging an die Firma mtify in Leinfelden-Echterdingen. Marc Boeker und Michael Krause entwickelten eine Plattform, die automatisch die Darstellung von Online-Shops für mobile Endgeräte optimiert. Mit dieser Technik können Kunden mit Smartphones im Internet einkaufen. Sie wurden damit Dritte beim Gründerpreis Baden-Württemberg. Den zweiten Platz teilen sich zwei Unternehmen: Die Gründer von Sanogym, Sabrina Berier, Ringo Mosch und Alexander Utz, kombinieren in ihren Trainingsräumen in Stuttgart-West Pilates, Personal Training und Physiotherapie mit umfangreichen Kursangeboten. Matthias Lebschy, Gründer der Bebi Betreuung & Bildung, eröffnet voraussichtlich im September in Esslingen die Kinderkrippe Pfauenauge. Kinder unter drei Jahren werden dort ganztags bilingual und naturnah betreut. Biologische Vollverpflegung und das deutsch-englische Betreuungskonzept machten das Bildungsangebot einzigartig in Esslingen, so die Jury.

Das Podium beim Unternehmerforum (von links): Heiner Brand, Cyrus Achouri, Martin Peters, Moderatorin Britta Schweinhage, Klaus-Peter Friedrich und Peter Staib. Foto: rik




 


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